Der wieder-gefundene Garten

Zweimal im Jahr gibt es die Programm-Zeitung mit inhaltlichen Beiträgen rund um Leben & Märchen, den wichtigsten Erzählterminen und der Präsentation neuer Programme. Die aktuelle Ausgabe hier als pdf: Zeitung-Märchen_2019+20 Soll sie gleich nach Erscheinen als PDF zugeschickt werden? – Einfach hier anmelden.

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Es schläft ein Lied in allen Dingen …

Und wer hört – noch – hinein in die Dinge und das Lied? Unmerklich ist mit der Schnelligkeit des Lebens manches verloren gegangen, aus dem sich Kraft und Ideenreichtum schöpfen lässt.

Ein Märchen der Yoruba erzählt davon, dass ein König seine drei Söhne auf eine Probe stellt:

Er – der König – hat die Krone im Meer versenkt. Der, dem es gelingt, die Krone wieder herauszuholen, soll der neue König werden. Gesagt, getan:

Der eine Sohn versucht es mit nimmermüdem Tauchen – und scheitert. Der andere überredet die Leute ihm zu helfen. Gemeinsam legen sie Netze aus – und scheitern. Der Jüngste setzt sich ans Ufer und singt ein Lied auf die Wesen im und über dem Wasser, auf die Wunder des Meeres und den Geist der Tiefe. Da erwacht das Meer zu ungewohntem Leben und die Tiere bringen ihm aus der Tiefe die Krone. …

Was für ein schönes Bild für den Zugang zum Unbewussten und für das Schöpfen aus der Tiefe. Wer weiß schon, wo Einfälle und Ideen herkommen. Plötzlich sind sie da. Mit purem Nachdenken lassen sie sich nicht erzwingen. Entspannung statt Anspannung ist gefragt. Wer kennt das nicht: Unter der Dusche kommen oft die besten Ideen.

Es ist, als ob gerade in diesen Momenten der Entspannung eine Tür aufgeht, die sonst verschlossen ist.

Durch sie schlüpfen die Einfälle ins alltägliche Leben und bereichern es. Diese Geistesblitze setzen Vertrautes in ein neues Licht. Sie sortieren Zusammenhänge ungewohnt anders und zeigen überraschende Wege auf. Verblüfft reibt man sich die Augen, dass man da nicht früher draufgekommen ist. Diese Zustände haben etwas von Träumen, aber auch von einem geistigen Erwachen. Da hebt die Welt tatsächlich an zu singen.

Persönliches Wachstum hat mit Muße,
Offenheit und Hineinspüren in die Welt
zu tun.

Die Symbolsprache der Märchen und die originelle Weisheit der Schelmengeschichten können dazu Wesentliches beitragen. Wohlgemerkt: Sie liefern keine Anleitungen. Das wäre zu simpel. Sie tragen aber zur geistigen Grundhaltung bei, die diese Erkenntnisfähigkeit möglich macht. Natürlich ist dabei auch die Auswahl der Geschichten ganz wesentlich. Wer ein Märchen hört, das ihm oder ihr etwas zu sagen hat, entspannt sich innerlich. Gleichzeitig wird durch die schillernden Bilder der Symbolsprache das schöpferische Denken angeregt.

Gerade in einer schnelllebigen Zeit tun solche inneren Boxenstopps zum Auftanken richtig gut.

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