Der wieder-gefundene Garten

Zweimal im Jahr gibt es die Programm-Zeitung mit inhaltlichen Beiträgen rund um Leben & Märchen, den wichtigsten Erzählterminen und der Präsentation neuer Programme.

Die aktuelle Ausgabe hier als pdf: 2015-02.

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Bisherige Ausgaben:

2015-01: Frühjahr 2015

2014-02: Herbst 2014

2014-01: Frühjahr 2014

2013-02: Herbst 2013

2013-01: Frühjahr 2013

2012-01: Frühjahr 2012

2011-01: Frühjahr 2011

2010-02: Herbst 2010

2010-01: Frühjahr 2010

2009-02: Herbst 2009

2009-01: Frühjahr 2009

2008-02: Herbst 2008

2008-01: Früjahr 2008

Die Kuh, die wird auf Seilen tanzen, der Affe wird Latein versteh‘n, der Bock wird Bam und Stauden pflanzen, die Sau als Braut zur Hochzeit geh‘, der Kater wird die Mess‘ dann singen, die Henn‘ beim Mahl den Fuchs verschlingen. …

So geht sie los, eine dieser verrückten Lügengeschichten. Wahrscheinlich ist es sogar die älteste Überlieferte – aus dem Jahr 1730.

Schon eigenartig, dass gerade diese vollkommen un- und widersinnigen Geschichten Kinder wie Erwachsene ganz besonders begeistern.

Mag sein, dass es einfach gut tut, eine geballte Ansammlung von verrückten Szenen, Handlungen und Bildern durch den Kopf rauschen zu lassen. Das hat was Befreiendes!

Wer sich darauf einlässt, nimmt Urlaub von der oft banalen Welt des Alltags mit ihren Vorgaben, Sachzwängen und eingefahrenen Abläufen. Hier darf sich die Einbildungskraft ungehemmt austoben. Kein Wunder, dass gerade da die Phantasie aufblüht, ja, ins Kraut schießt. Der Geist schüttelt alles Logische, Vorhersehbare und Vernünftige ab. Ein bunter Reigen unerwarteter Ereignisse bahnt sich seinen Lauf. Was in dem einen Moment behauptet wird, widerlegt sich im nächsten Satz:

Die Donau ist ins Wasser g‘falln,
hat sich den Hax gebrochen.
Das sah das Hausschwein Eberhard
und musste furchbar låchen.
Ein Windhund namens Annamirl,
der wollte einmal tanzen.
Er rutschte aus, fiel rund ums Eck,
auf fing ihn eine Wanzen.
Der Esel zieht die Schlapfen an
und ist ums Haus geflogen,
und wenn es nicht die Wahrheit ist,
dann ist es doch gelogen.

Viele der Volkskundler, die Märchen sammelten, hatten mit diesen Geschichten so gar keine Freude. Märchen verkörperten für sie das Edle, Wahre. Das drängt sich in diesen verrückten Erzählungen nun wirklich nicht auf:
Da ist keine Moral, keine tiefe Wahrheit, wohl aber das Wissen, dass es manchmal notwendig ist den Geist zu entrümpeln.

Und diese Geschichten räumen gründlich auf. Sie zertrampeln Denkschablonen. Die Lust am Sinn- und Zwecklosen vermischt sich mit der Freude am freien Fabulieren. Wer allerdings versucht selbst ein verrücktes Lügenmärchen zu formulieren, merkt schnell, welch geistige Leistung hinter der vermeintlichen Narretei steckt. So närrisch diese Geschichten auf den ersten Blick auch scheinen – »dumm« sind sie sicher nicht!

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