Der Wiedergefundene Garten (03/08)

Das vierteljährlich erscheinende Info-Blatt mit Beiträgen rund ums Märchen, den wichtigsten Erzählterminen von Helmut und vielem mehr. Hier als pdf-Datei zum Download.


Künftig möchte ich das Info-Blatt gleich nach Erscheinen als pdf-Datei zugeschickt bekommen.

Mein Name:
Meine Mail-Adresse:

Bitte schickt mir das Info-Blatt künftig nimmer zu:

Mein Name:
Meine Mail-Adresse:


Weit jenseits des Operenzenmeeres!

Über den neuen Band »Sagen aus Oberösterreich«

Ja, weit jenseits dieses sagenumwobenen Meeres siedeln die ungarischen Überlieferungen ihr Schlaraffenland an. »Operenzia« heisst diese wundersame Welt in der so Vieles, das sonst nur in Träumen ausgemalt wird, auch in der Wirklichkeit seinen Platz hat. Der Weg nach Operenzia führt vorbei an den »Zuckerhut-Bergen«. Die Äpfel sind in diesem Land so gross wie Kindsköpfe. Die Schlösser stehen frei in luftigen Höhen. Selbst die Bauern wohnen in Palästen.
Wer würde ahnen dass sich hinter diesem geheimnisvollen »Operenzia«
das »Land ob der Enns«, also Oberösterreich verbirgt. Erst beim lauten Lesen, oder eben in der mündlichen Überlieferung erklärt sich der sprachliche Zusammenhang.

Tatsache ist, dass die Enns seit Jahrhunderten eine markante Grenze
war und ist.

Mag sein, dass dieses Land »ob der Enns« mit der Vielfalt seiner fruchtbaren Landschaften Menschen von Anderswo immer schon beeindruckte: Von den Bergstöcken der Pyhrn-Priel-Region und dem Salzkammergut im Süden über die Hügel und Becken des Alpenvorlandes bis zur weiten Granitlandschaft des Mühlviertels.

Diese landschaftliche Vielfalt spiegelt sich auch in den Überlieferungen. Kein Wunder: Was könnte die Mentalität eines Landes, die Wesenszüge seiner Bewohnerinnen und Bewohner und die Art und Weise wie sie die Welt sehen, besser beschreiben, als die Überlieferungen, die sie selbst seit Jahrhunderten über sich, ihre Landschaft, ihre Geschichte und das Leben im Jahreskreis erzählen!?

Kajetan Alois Gloning schrieb 1884 im Vorwort zu der von ihm herausgegebenen Sammlung »Oberösterreichische Volks-Sagen«:

»Die Sage berichtet uns von längst untergegangenen Völkern, sie legt sich in kindlicher Weise unverstandene Naturereignisse zurecht, sie verbindet die Überbleibsel des abgelegten Heidentums mit den Lehren des Christentums, sie bevölkert Luft und Erde mit übernatürlichen Wesen, bald gut, bald böse. ... Und wenn die Sage auch in sehr vielen Fällen mit den historischen Tatsachen im Widerspruch steht, so ist sie doch das wahrhafte Spiegelbild ihrer Zeit, sie ist die Illustration zur dokumentierten Geschichte.«

Vieles von dem was da beschrieben wird klingt wie der Nachhall einer längst vergangenen Zeit. Die erstaunlichen menschlichen Lebensgeschichten die darin geschildert werden, die inneren und äusseren Kämpfe, Hoffnungen und Freuden, ziehen uns aber auch heute noch in ihren Bann: Die Gier nach schnellem Geld, der Kampf gegen ein unbarmherziges Schicksal, die Verwicklung in rasende Leidenschaften, das Vertrauen in die eigenen Fertigkeiten, der Mut das zu tun was noch keine/r gewagt hat, die Gunst der Stunde, die eine rasche Entscheidung verlangt, die Freude über das Erreichte, das Geschick darin auch das Glück zu ertragen. - Wir spüren wie vertraut uns das alles ist. Und wieviel Klarheit diese Geschichten in unser eigenes Leben bringen.
Gerade deshalb werden sie erzählt!

zu den früheren Ausgaben des "Wiedergefundenen Gartens" >>