Der Wiedergefundene Garten (02/06)

Das vierteljährlich erscheinende Info-Blatt mit Beiträgen rund ums Märchen, den wichtigsten Erzählterminen von Helmut und vielem mehr. Hier als pdf-Datei zum Download.

Künftig möchte ich das Info-Blatt gleich nach Erscheinen als pdf-Datei zugeschickt bekommen.

Mein Name:
Meine Mail-Adresse:

Bitte schickt mir das Info-Blatt künftig nimmer zu:

Mein Name:
Meine Mail-Adresse:


»Ich Narr vergaß die Zauberdinge! ...«

Über das Wesen der Zauberdinge - aber auch die
Mozart'sche Oper

Erst in höchster Not fallen dem Papageno in der "Zauberflöte" die Zauberdinge wieder ein. In seiner Verzweiflung will er sich schon aufhängen. Er spürt, daß ihm in seinem Leben etwas ganz wesentliches fehlt. "So brennts im Herzenskämmerlein!" klagt er. Da erinnern ihn "Die drei Knaben", daß da noch etwas ist, das er gar nicht genutzt hat - die Zauberdinge, in der Oper das Glockenspiel.

Wer kennt diesen Aufschrei nicht aus eigener Erfahrung?

Er bringt eine Verblüffung auf den Punkt. Die Verblüffung darüber sich in einer kniffligen Herausforderung dümmer angestellt zu haben als Not gewesen wäre. Zugleich schwingt aber auch die Erkenntnis mit, daß dann wenn auch die "magischen" Teile der eigenen Persönlichkeit genützt werden, die Aufgabe zu bewältigen ist.

Wo der Verstand die Grenzen sieht, zieht die Intuition vergnügt weiter.

Die "Zauberdinge"" sind ein Geschenk der Nacht. Ein Aufblitzen und ein Erinnern daran, daß da noch etwas ist. Ein Ahnen und ein Gespür für das richtige Tun zur richtigen Zeit, das gepflegt sein will. Und je mehr man sich auf dieses Gespür einläßt, desto klarer drückt es sich aus. Menschen, die es gewohnt sind Entscheidungen rein aufgrund rational nachvollziehbarer Kriterien zu treffen, tun sich damit oft schwer. Begibt man sich dabei doch auf das Eis - nein, in den Ozean - des schwer Fassbaren.
Es geht um die Fähigkeit, sich im entscheidenden Moment nicht nur auf den Verstand - so wichtig der auch ist - sondern auf das Gespür zu verlassen. Es ist eben nicht "vernünftig" einen Teil der Wirklichkeit voll und ganz auszublenden. Denn was nützt es, wenn der Verstand "ja" sagt und die unmittelbare Eingebung zuckt zurück.

Erst durch die "Zauberdinge" kommen wir zu dem, was das Mensch-sein wirklich ausmacht.

In der "Zauberflöte" werden zwei Zugänge gezeigt: Was der Eine mit Hilfe seines Verstandes und seiner Urteilskraft auslotet wird dem anderen in seiner einfältigen Unschuld geschenkt. Kein Wunder, daß dieser Weg märchen-haft klingt. Wird er doch auch in vielen Märchen sehr anschaulich beschrieben. Das Vorarlberger Volksmärchen "Vom jungen Grafen in der Unterwelt", das slowakische Zaubermärchen "Von der schönen Jungfrau Mahulena" und das burgenländische "Von der Schwarzen Frau" sind nur einige Beispiele dafür.

Immer wieder geht es darum in die Tiefen des eigenen Selbst hinunterzusteigen und das, was dort verborgen schlummert herauszuholen.

Im rechten Licht betrachtet zeigt es sich meist als wesentliche Bereicherung des eigenen Lebens. Mann findet den weiblichen Teil seiner selbst. Die Frau den männlichen.
Freilich sind diese "Zauberdinge" Fähigkeiten, die auch gepflegt werden wollen. Immer wieder wird in Märchen erzählt was passiert, wenn sie gegen die eigenen Grundhaltungen und Werte eingesetzt werden. Oft kommt dann der "böse Zauber" ins Spiel.
Hilfreich ist in jedem Fall ein Verständnis für die Symbolsprache dieser Erzählungen, sei es in der Oper oder im Märchen. Die Bilder wollen nicht nur oberflächlich mit dem Verstand, sondern mit Leib und Seele verdaut werden. Erst dann erschließt sich die Kraft ihres Wissens. Einfach in aller Ruhe anschauen oder zuhören, durch den Kopf gehen lassen, zu Herzen nehmen - und was dann kommt, darauf darf man gespannt sein. ©HeWi


zu den früheren Ausgaben des "Wiedergefundenen Gartens" >>