Der Wiedergefundene Garten (01/08)

Das vierteljährlich erscheinende Info-Blatt mit Beiträgen rund ums Märchen, den wichtigsten Erzählterminen von Helmut und vielem mehr. Hier als pdf-Datei zum Download.

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»Nichts beschreibt die menschliche Natur besser,
als die Geschichte des armen Betrunkenen, der spät nachts
ausserhalb eines Parks am Zaun rüttelt und schreit:
Lasst mich hier raus!«

Über hochweise Erkenntnis aus verrückten Geschichten.

Sie sind DIE Kraftnahrung für den Geist, diese herzerfrischend verrückten Geschichten. Mit eindrucksvoller Klarheit führen sie uns die unbewusste Dummheit vieler selbstverständlich gewordener Lebenshaltungen demonstrativ vor Augen.
Mag sein, dass diese Geschichten für Manche nur ein mehr oder weniger guter Witz sind. Andere wieder gewinnen daraus verblüffende Erkenntnisse. »Wenn der Weise auf den Mond zeigt, sieht der Dummkopf nur den Finger.« sagt ein orientalisches Sprichwort.
Aber gleich wie die Geschichten aufgenommen und verarbeitet werden: Sie wirken allemal. Und das ist wohl die Hauptsache. Freilich juckt es manche, sich die Verrücktheit der Geschichten auch mit dem Verstand zu erklären. Und wieder ist es eine orientalische Quelle,
die dieses Unvermögen bildhaft schildert:
Ein Schüler meinte einmal zu seinem Meister: »Du erzählst uns so viele wunderbare Geschichten. Wir spüren, dass darin tiefe Wahrheiten verborgen sind. Aber wir können all das, was darin steckt, nicht wirklich erfassen. Erkläre uns doch die Gleichnisse und die Symbole, damit wir mehr davon haben!« - »Hör zu,« sagte da der Meister, »Das
ist als ob du am Markt eine köstliche Frucht kaufst. - Du bezahlst.
Daraufhin schneidet sie der Händler vor deinen Augen auf, zerteilt und ißt sie mit größtem Genuß. Er erklärt dir in blumigen Worten wie gut sie geschmeckt hat. Und gibt dir die leere Schale.«


Oft sind es gerade die absurdesten Geschichten, die die erstaunlichsten
Erkenntnisse auslösen.

Na dann: Wohl bekomm‘s! Das Schöne an diesem Schmaus für Geist und
Herz ist, dass Wissen und Erkenntnis auf eine spielerisch geistreiche
Weise vermittelt werden.
Ein Mann betonte bei einem Gespräch die Wichtigkeit von Willenskraft und Anstrengung. Ein Anderer meinte dazu: »Aber die wichtigsten Dinge im Leben lassen sich damit nicht erreichen.« - »Wieso!?« fragte der Angesprochene barsch. »Du kannst mit Willenskraft Essen in deinen Mund stecken« sagte der Andere, »aber du kannst mit Willenskraft keinen Appetit bekommen. Du kannst dich mit Willenskraft ins Bett legen, aber du kannst damit nicht einschlafen. Du kannst mit
Willenskraft ein Kompliment machen, aber du kannst damit nicht Bewunderung wecken. Und du kannst dir mit Willenskraft Wissen anlernen, aber wahre Erkenntnis kannst du damit nicht gewinnen.«
Zur guten Letzt: Ein Meister ging mit seinem Schüler im Mondschein durch einen Garten. »Was für eine Stille!« flüsterte der Schüler.
»Sag nicht wie still es ist.« meinte der Meister, »Sag lieber: Ich höre nichts.«



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