Der Wiedergefundene Garten (02/07)Das vierteljährlich erscheinende Info-Blatt mit
Beiträgen rund ums Märchen, den wichtigsten Erzählterminen
von Helmut und vielem mehr. Hier als pdf-Datei zum Download. Künftig möchte ich das Info-Blatt gleich nach Erscheinen als pdf-Datei zugeschickt bekommen. Bitte schickt mir das Info-Blatt künftig nimmer zu:
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Die Frau öffnet dem Mann die Augen für die Wunder
der Welt und die Freuden der Liebe. Gott aber verschläft
diesen spannenden Moment der Schöpfung und schreckt
erst hoch als schon alles gelaufen ist. So schildert eine
mythische afrikanische Erzählung auf der neuen CD das
Märchen zeigen das Leben in seiner ganzen Fülle.
Einerseits die Härten des Schicksals, die für
die Heldinnen und Helden zu Herausforderungen werden. Andererseits
aber auch ungeahnte Möglichkeien, verblüffende
Lösungen, Freude und - Lust. Freilich: |
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Ein Beispiel: Der Wiener Volksliedforscher Karl Liebleitner fand
das Märchen »Vom Pfoarer zu St. Stefan«. Er schickte
es um 1900 an Dr. Aldalbert Depiny in Linz und schrieb mit der Hand
dazu: »Sehr geehrter Herr Professor, ich hab ein köstliches
Märchen aus Oberösterreich. s wär schad wenns
verlorenginge (ich habe es nämlich seit einem halben Jahrhundert
nimmer gehört). Können Herr Dr. es nicht in ihre Zeitschrift
aufnehmen? Wenn ja, so bitte ich um einige Exemplare dieser Nummer.
Wäre es jedoch nicht möglich, so erbitte ich mir das Blatt
zurück.« Die Geschichte selbst leitete er noch mit dem
Satz ein: »Vor etwa 50 Jahren (also um 1850) arbeitete am
Attersee ein junger Maurer, der in der Mittagspause gerne lustige
Geschichten zum Besten gab. Eine solche ist das Märchen vom
Pfoarer
zu Sanct Stephan«.
Depiny veröffentlichte die Geschichte nicht, schickte auch
das Blatt nicht zurück. Zum Glück tauchte die Geschichte
in seinem Nachlaß auf.In Wien erschien um 1908 die Sammlung
»Futilitates - Beiträge zur Volkskundlichen Erotik, Teil
II, Schwänke und Bauernerzählungen aus Niederösterreich«.
Verschämt ist darin zu lesen: »Dieses Buch wurde als
Privatdruck in einer einmaligen Auflage von 550 handnummerierten
Exemplaren nur für Gelehrte hergestellt, wovon 500 für
den Handel bestimmt sind.«
Gewalt im Märchen? - Ja, die gehört wie so vieles das
einem auch nicht gefällt zum Leben. Aber Sinnlichkeit und Erotik
- da bleibts beim Kuss. Daran dürfen sich - siehe oben
- höchstens die »Gelehrten« abends beim Schmökern
delektieren.
In der Volksmusik ist das nicht anders. Manch deftiges Wirtshauslied tauchte auf einmal in brav-gezähmter Stuben(musik)reiner Fassung wieder auf.
Wer sich die Mühe macht und da und dort stöbert findet
immer noch Erstaunliches. Eine kleine Auswahl solcher Märchen
und Volkslieder ist nun in unbereinigter Fassung auf der CD zu hören:
Über »Der Pfarrer von St. Stephan« war schon zu
lesen. »Nasenhobler und Dukatenwechsler« stammen aus
der zitierten Sammlung »Futilitates«.
Beides Erzählungen mit Witz, aber durchaus deftigen Bildern.
Das Märchen »Vom Schönsten Mann der Welt«
wurde vom Landarbeiter György Bukló erzählt und
vor rund 70 Jahren in Budapest aufgeschrieben. Es stammt aus der
Bukowina und erzählt von Lust und List der Frauen und verblüfften
Männern. Unverkennbar wird hier das Anfangsmotiv der Erzählungen
von 1001 Nacht aufgegriffen und neu erzählt.
Aber auch Überlieferungen aus anderen Weltgegenden finden sich
auf der CD:
Iktomé ist als Spinnenmann eine gottähnliche Gestalt
in den Erzählungen der amerikanischen Lakota-Indianer, dazu
Trickster, Schelm und vor allem auch Lüstling im besten Sinn.
Kurios, mit wieviel Rafinesse er in »die geheime Grotte«
einer Schönen »eintaucht«. Wo in heimischen Überlieferungen
immer wieder die Lust am Verbotenen und eine Portion Voyeurismus
mitschwingt wird hier der
unbefangene Umgang mit der Erotik spürbar.
Das Anfangs erwähnte afrikanische Märchen bringts
bildhaft auf den Punkt:
Mann und Frau werden eins. Das wird anschaulich anregend beschrieben
- aber geht doch nur die Zwei etwas an. Dank weiblicher List ist
nicht einmal Gott Zeuge. Gut so.