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Vor langer, langer Zeit, war's gestern oder war's heut, da hat einmal
weit im Osten ein Mann gelebt. Der hat Moschud geheißen. Der Moschud
ist ein einfacher Beamter gewesen. Tag für Tag hat er mit Massen und
Gewichten zu tun gehabt. Einmal ist ihm im Traum Kidhr, der geheimnisvolle innere Führer aller Sufis, erschienen. "Verheißungsvoller Mensch" hat der zu ihm gesagt, "geh morgen auf die Brücke unten am Fluß und spring von der Mitte der Brücke ins Wasser." In der Früh ist dem Moschud der Traum immer noch durch den Kopf gegangen.
Ohne lange zu Überlegen hat er seine Stellung gekündigt und ist hinuntergegangen
auf die Brücke über dem Fluß. Von der Mitte der Brücke ist er ins
Wasser gesprungen. Ein Jahr ist vergangen. Da ist dem Moschud im Traum wiederum Kidhr
in seinem leuchtend grünen Gewand erschienen. "Verheißungsvoller Mensch"
hat er zu Moschud gesagt, "steh auf und geh auf der und der Straße
in die und die Richtung." Der Weg in die fremde Stadt ist weit gewesen. Aber schließlich ist
der Moschud gut hingekommen und hat angefangen als Händler zu arbeiten.
Dabei hat sich schnell herausgestellt, daß er für sein Geschäft eine
glückliche Hand gehabt hat. So ist sein Wohlstand schnell gewachsen.
Ein Jahr ist vergangen, ein zweites, ein drittes. Aus dem Moschud
ist ein reicher Kaufherr geworden. Noch in derselben Nacht ist der Moschud aufgebrochen und auf seinem Esel nach Samarkand geritten. Weit ist der Weg gewesen. Aber schließlich ist der Moschud glücklich angekommen und hat in der Apotheke nach Arbeit gefragt. "Ja", haben die Leute dort gesagt, "wir können einen Mann brauchen, der die Pulver und Salben mischt, der sie anrührt und zubereitet." So hat der Moschud jetzt in der Apotheke gearbeitet, hat Körner zerstoßen, Wurzeln angesetzt für Tinkturen und Salben gekocht. Aber, oh Wunder! Die Medizinen, die er zubereitet hat, sind alle
ganz besonders heilkräftig gewesen. Bald hat es sich herumgesprochen,
daß in der Apotheke wahre Wundermittel zu bekommen sind. So sind die
Leute auf den Moschud aufmerksam geworden. Sie haben ihn gefragt:
"Jetzt sag einmal, wie machst du es, daß die Medizinen die du zubereitest,
so heilkräftig sind?" - "Ich weiß es nicht." hat der Moschud gesagt.
Aber die Leute haben das nicht glauben können. Je weniger er gesagt hat, desto mehr ist er in der Achtung der Leute gestiegen. Immer wieder haben sie ihn bedrängt und nach den wundersamen Quellen seiner Erkenntnisse gefragt. Und immer wieder hat er ihnen zur Antwort gegeben: "Ich weiß es nicht." Die Leute haben sich schließlich selber ihren Reim darauf gemacht. Sie haben ihre eigene Geschichte erfunden von Moschud, dem Mann mit dem geheimnisvollen Leben und den unerklärbaren Fähigkeiten. Eine Geschichte, ganz nach dem Geschmack der Zuhörer, weitab vom wirklichen Leben. Und natürlich ist an dieser Geschichte kein Wort wahr, nicht eines. |