Über die Lust am Märchen

Es gibt viele gute Gründe sich für Märchen zu begeistern. Sei es, daß sie das Kind in uns wecken. Sei es, daß sie meist ausgesprochen witzig, unterhaltsam und fantasievoll sind. Das erstaunliche ist:

Diese Erzählungen sind uralt. Und trotzdem haben sie auch heute noch etwas zu sagen.


Das liegt zum guten Teil wohl in ihrer schlichten, aber eindringlichen Weisheit. Sie erzählen uns von markanten Abschnitten aus dem Leben ihrer Heldinnen und Helden. Seien sie einfältig wie ein "Ofenhocker", reich und schön wie eine Prinzessin, arm und unattraktiv wie ein Sauhirt oder unschuldig wie das "Rothüterl". Mit all diesen archetypischen Gestalten können wir uns auf die eine oder andere Art und Weise identifizieren.

Sie laden uns ein mit ihnen in Gedanken verschiedene Lebenswege durchzuspielen.


Da will Altes neu belebt werden: Die Söhne machen sich auf um für den Vater das Wasser des Lebens zu holen. Andere wieder werden mit harten Wirklichkeiten konfrontiert - siehe das Tiroler Zaubermärchen "Vom Zistl im Körbl", "Die siebenschöne Juliska" aus Ungarn oder das so bekannte "Hänsel und Gretel". Wieder andere stellen die Sinnfrage, wie in der Geschichte "Von Einem der auszog um mit seinem Schicksal zu reden". Die Einen machen sich aus freien Stücken auf. Die Anderen tun dies aus Not. Oft werden sie gar mit aller Gewalt dazu gedrängt.
Alle Heldinnen und Helden aber ziehen aus um ihr Glück zu finden.
Was sonst ist unser Leben?

Dabei sind die Märchenheldinnen und -helden keine Grübler und Sinnierer. Ihre Gedanken und Überlegungen werden uns so gut wie nie mitgeteilt. Nein, ihr Wesen drückt sich vielmehr in ihren Handlungen aus. Und in all dem, was sie für sich wählen, entscheiden und tun, sei es dumm oder weise, einfältig oder voller Raffinesse, erkennen wir uns wieder.
Ohne zu belehren halten sie uns einen inneren Spiegel vor.
Ganz wichtig ist dabei, daß das Märchen Lösungen aufzeigt. Herausforderungen werden bewältigt, Widrigkeiten überwunden, Reifeprozesse finden statt.

Immerhin sind alle diese Überlieferungen schon hunderte von Jahren alt. Von Generation zu Generation wurden sie weiter erzählt. So sind sie durch hunderte von Herzen und Köpfen gegangen. Nicht eine oder einer allein hat diese Erzählungen formuliert. Viele haben daran mitgewirkt. Und so verdichtet sich in ihnen bildhaft die Lebensweisheit von Generationen. Vielleicht auch deshalb wird die Wahrheit, die hinter der Einfachheit der Volksmärchen steckt, schnell spürbar.

Wer genau hinhört dem erzählt es von seinen/ihren eigenen Ängsten und versteckten Lebenslügen. Es führt Irrwege vor Augen, bestärkt aber auch bei Entschlüssen. Vor allem weist das Märchen immer wieder auf schlummernde Fähigkeiten und die Vielfalt an Möglichkeiten für das eigene Leben hin. Der Sauhirt kann immer noch König werden, der Ofenhocker ein Held, das Aschenputtel eine Königin. Das ist die Botschaft zwischen den Worten.
Nicht um romantisch-nostalgische G'schichtln geht es bei den Märchen, sondern um mentale Werkzeuge zur Selbstbestimmung und Persönlichkeitsentwicklung.
Wer kann die nicht gut brauchen!?

Weiterführende Links:

Sagen und Volksmärchen aus Österreich präsentiert www.sagen.at

Wer regelmäßig Märchen per e-mail zugeschickt bekommen möchte oder online eine Fülle von Märchen zum Nachschlagen sucht wird unter www.internet-maerchen.de aufs Beste zufriedengestellt

Unter www.erzaehlen.de finden sich ein Erzähl-Forum, Festivaltermine, Links zu Erzählerinnen und Erzählern sowie zu überregionalen Vereinigungen und vieles mehr.
Die Plattform von Erzählerinnen und Erzählern im deutschsprachigen Raum ist www.geschichtenerzaehlen.de.

Eine umfassende Sammlung deutscher Märchen der Brüder Grimm findet sich hier.

Volksmärchen und Volkslieder haben sehr viel gemeinsam. Wer Lust hat Volkskultur herzerfrischend lebendig zu erleben kommt am Steirischen Volksliedwerk und der Zeitschrift »Der Vierzeiler« nicht vorbei. Jodelkurse, Schweglertreffen, Harfen-Seminare und vieles mehr findet sich hier.

Eine weitere grosse Plattform für MundArt erzählen und Volkskultur ist www.volkskultur.de.

Informationen über Märchen in der Schweiz bietet die Schweizer Märchengesellschaft.

Wirklich hörenswerte Erzählcassetten, Veranstaltungshinweise und eine Fülle von Informationen vor allem zu deutschen Volksmärchen finden sich auf der Seite der Europäischen Märchengesellschaft. Wer einen eher akademischen Zugang zum Märchen nicht scheut sollte www.maerchen-emg.de anklicken.

Dass Märchen eine heilende Wirkung haben ist naheliegend. Erst recht gilt das für die Musik.
Intensiv beschäftigt sich das Institut für Ethno-Musik-Therapie mit dieser heilenden Wirkung.